Frauen liegen bei Hochschulabschlüssen in der Europäischen Union weiterhin vor Männern. Im Jahr 2024 zeigte sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern insbesondere in mehreren
wichtigen Studienbereichen deutlich.
Nach Angaben von Eurostat erwarben 2024 rund 4,5 Millionen Menschen in der EU einen Abschluss im tertiären Bildungsbereich. Davon waren etwa 2,6 Millionen Frauen und 1,9 Millionen Männer. Damit stellten Frauen eine deutliche Mehrheit der Hochschulabsolventen.
Der Unterschied beschränkte sich nicht auf einzelne Fachrichtungen. In den meisten Studienbereichen gab es mehr weibliche als männliche Absolventen, wobei das Ausmaß der Unterschiede je nach Fach erheblich variierte.
Besonders ausgeprägt war die Kluft im Bereich Pädagogik und Erziehungswissenschaften. Dort gab es viermal so viele weibliche wie männliche Absolventen. Die Zahlen verdeutlichen die anhaltend starke Präsenz von Frauen in Berufen rund um Bildung und Unterricht.
Ein wesentlich ausgeglicheneres Verhältnis zeigte sich in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Veterinärmedizin sowie bei den Dienstleistungen. Dort lagen die Zahlen männlicher und weiblicher Absolventen relativ nah beieinander.
Ein völlig anderes Bild ergab sich bei den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Hier waren Männer unter den Absolventen 3,7-mal so häufig vertreten wie Frauen.
Die Zahlen machen eine anhaltende geschlechtsspezifische Teilung im europäischen Hochschulsystem sichtbar: Frauen erwerben insgesamt häufiger einen Hochschulabschluss, während Männer in bestimmten Bereichen, die eng mit Technologie und digitalen Kompetenzen verbunden sind, weiterhin deutlich dominieren.
Die Entwicklung hat Auswirkungen, die weit über die Universitäten hinausreichen. Während die europäischen Volkswirtschaften ihren Bedarf an Fachkräften in Bereichen wie künstlicher Intelligenz, Softwareentwicklung und fortgeschrittenen digitalen Technologien decken wollen, bleibt die geringe Beteiligung von Frauen an IKT-Studiengängen eine wichtige Herausforderung.
Gleichzeitig zeigt der hohe Frauenanteil unter den Absolventen im Bildungsbereich eine weitere langjährige Besonderheit des europäischen Arbeitsmarktes: Frauen sind überdurchschnittlich stark in Berufen vertreten, die für die Ausbildung und Entwicklung künftiger Generationen von Arbeitskräften von zentraler Bedeutung sind.
Die Zahlen für 2024 zeichnen damit ein komplexeres Bild als einen einfachen Geschlechterunterschied bei Hochschulabschlüssen. Frauen stellen inzwischen die Mehrheit der Hochschulabsolventen in der EU, doch die Wahl der Studienfächer und die daraus entstehenden beruflichen Laufbahnen sind weiterhin stark vom Geschlecht geprägt. Foto-Sasikiran 10, Wikimedia commons.
