
Deutschland untersucht eine Reihe raffinierter Phishing-Angriffe auf hochrangige Politiker, Diplomaten, Militärangehörige und Journalisten. Nach Angaben aus Regierungskreisen verdichten sich
die Hinweise, dass Russland hinter der Kampagne stehen könnte.
Den Behörden zufolge zielen die Angriffe insbesondere auf Nutzer sicherer Messaging-Dienste ab – vor allem auf Signal, eine Plattform, die von vielen öffentlichen Persönlichkeiten für vertrauliche Kommunikation genutzt wird. Eine offizielle Zuschreibung gibt es bislang nicht, doch interne Einschätzungen deuten zunehmend auf einen staatlich unterstützten Akteur hin, wobei Russland als Hauptverdächtiger gilt.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sowie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben in diesem Jahr wiederholt vor gezielten Cyberoperationen gewarnt, die Messaging-Apps ausnutzen. Dabei kommen offenbar täuschend echte Methoden zum Einsatz, um Zugriff auf private Konten und sensible Informationen zu erlangen.
Die Bundesanwaltschaft bestätigte am Freitag, dass sie seit Mitte April Phishing-Vorfälle im Zusammenhang mit Signal untersucht, machte jedoch keine weiteren Angaben zu den laufenden Ermittlungen.
Der Kreml weist Vorwürfe zurück und bestreitet weiterhin, in Cyberangriffe oder Spionageaktivitäten gegen andere Staaten verwickelt zu sein.
Wachsende Spannungen in einer belasteten Beziehung
Die mutmaßliche Cyberkampagne fällt in eine Phase ohnehin angespannter Beziehungen zwischen Berlin und Moskau. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 verfolgt Deutschland einen deutlich härteren Kurs: Berlin unterstützt Sanktionen, liefert militärische Hilfe an Kiew und hat seine langjährige Abhängigkeit von russischen Energielieferungen erheblich reduziert.
Historisch pflegten Deutschland und Russland enge wirtschaftliche Beziehungen, insbesondere im Energiesektor. Projekte wie Nord Stream galten lange als Symbol dieser Kooperation. Doch geopolitische Konflikte, Spionagevorwürfe und wiederholte Cybervorfälle haben das Vertrauen nachhaltig erschüttert.
Deutsche Sicherheitsbehörden betrachten Cyberbedrohungen inzwischen als zentrales Element moderner geopolitischer Auseinandersetzungen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnten die jüngsten Angriffe die Kluft zwischen beiden Ländern weiter vertiefen und zu schärferen Gegenmaßnahmen Deutschlands und seiner europäischen Partner führen. Foto-
